Das Handballwunder blieb aus

Nachdem wir eine Woche zuvor in Friedrichsfeld mit 24-32 unterlegen waren, benötigten wir im Rückspiel vor heimischen Publikum nun einen Sieg mit 9 Toren Unterschied. Obwohl wir uns bestmöglich auf den Gegner eingestellt hatten, war diese Hypothek einfach zu hoch. Und so zeigten wir unseren Zuschauern erneut einen leidenschaftlichen Kampf, die Belohnung bleib jedoch aus. Schlimmer noch, der Worst Case ist eingetreten, wir sind der 5. Absteiger aus der Verbandsliga.
 
Unsere Taktik war bereits im Friedrichsfelder Vorbericht zu lesen. Das lag weniger daran, daß die beiden Trainer sich gut kannten, sondern wir standen natürlich unter einem besonderen Druck und konnten nicht auf alltägliche Maßnahmen vertrauen. So sollte über eine doppelte Manndeckung die beiden wurfstarken Rückraumspielerinnen Schulte-Euler und Beckord ausgeschaltet werden. Eine Maßnahme die auch zunächst Wirkung zeigte, jedoch muß man sagen das wir insbesondere auf der rechten Seite der Viererkette Probleme hatten, den großen Raum zu verteidigen. Hiervon profitierte insbesondere Edeljoker Meike Langert, die uns in beiden Spielen ziemlich zu schaffen gemacht hatte.
Die zweite taktische Maßnahme sollte unser Spiel über die zweite Welle sein. Diesbezüglich haben wir sicherlich zu wenig gemacht. Mit einer vollen Bank hätten wir mutiger und mit mehr Tempo spielen sollen.
 
Insgesamt waren wir wesentlich besser ins Spiel gekommen, als noch vor 8 Tagen. Wir führten zunächst mit 3-1 und 5-3. Dann jedoch schlichen sich erste Unsicherheiten in unser Spiel und erneut wurden einige Großchancen nicht verwertet. Mitte der 1. Halbzeit dann die Parallele zum Hinspiel. Im Angriff wurden Bälle nicht gefangen und somit brachten wir uns mit technischen Fehlern ins Hintertreffen ( 6-10 / 8-12 / 10-14 ). Anders als in Friedrichsfeld stimmte jedoch vor allem die Körpersprache. Die Gäste suchten nach der schnellen Entscheidung, doch selbst der Insgesamt-Rückstand von 12 Toren konnte unser Team nicht aus der Bahn werfen. Aus einem 10-14 kurz vor der Pause erspielte und erkämpfte wir uns eine 20-17 Führung. Die Art und Weise, wie unsere Mannschaft in schier aussichtsloser Lage diesen 10-3 Lauf hinlegte, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab.
 
Die Gäste wussten zu diesem Zeitpunkt, daß wir nicht locker lassen würden und leisteten sich keine Experimente. Wieder waren es Unsicherheiten im ungewohnten Vier gegen Vier, die Friedrichsfeld ausnutzte und zum 21-21 ausgleichen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung natürlich gefallen. Das Spiel blieb offen bei wechselnden Führungen. Am Ende hatten wir zweimal die Nase vorne, mussten allerdings am Ende noch den 27-28 Endstand hinnehmen. Dies war nicht mehr relevant, dennoch sehr ärgerlich, weil unsere Mannschaft den Heimsieg redlich gehabt hätte.
 
Nachdem uns die Friedrichsfelder Presse nach dem Hinspiel zu Recht eine überraschend schwache Leistung bescheinigt hatte, konnten wir das Rückspiel über 60 Minuten auf Augenhöhe bestreiten. Jede unserer Spielerinnen war an ihre Grenzen gegangen. Herausragend jedoch unsere Brina, die mit gebrochener Nase keinen Zweikampf gescheut hatte. Ihre sportliche Zukunft ist ungewiss, ihre Leistung gestern war jedoch ein deutlich Fingerzeig, daß ihr eine weitere Saison mit uns in der Verbandsliga schon sehr gut gefallen würde. Wir würden uns freuen, wenn Brina uns erhalten bleibt. Sollte sie sich für eine große Herausforderung entscheiden, werden wir ihr aufrichtig alle Gute wünschen.
Weiterhin möchte ich lobend erwähnen, wie unsere Mannschaft mit den schwierigen Umständen der letzten Wochen umgegangen ist. Wir haben innerhalb weniger Wochen 10 neue Spielerinnen versucht zu integrieren, um sie dann zu den wichtigsten Spielen der Saison ins kalte Wasser zu werfen. Für eine Kennenlernphase war keine Zeit, von Laufwegen etc. will ich gar nicht erst reden. Andererseits mussten zum Teil angeschlagene Spielerinnen wie Lina, Michi und Anna aussetzen, obwohl sie sich während der Saison immer zur Verfügung gestellt hatten. Auch vor dieser sportlichen Haltung ziehe ich meinen Hut.
Natürlich soll sich auch ein Lob an unsere neuen Spielerinnen richten. Sie stellten ihre Nervosität beim ersten Heimauftritt hinten an und deuteten manches Mal an, daß wir in Zukunft einiges von Ihnen erwarten dürfen.
Nach diesem definitiv letzten Saisonspiel möchte ich mich noch einmal bei Tinka und Bella bedanken. Die beiden waren immer da und verkörperten Zuverlässigkeit, Loyalität und hundertprozentigen Einsatz. Wir wünschen Euch alles Gute, lasst Euch mal blicken.
 
Der Abstieg ist natürlich besonders bitter. Wir haben 12 Punkte Vorsprung auf die eigentliche rote Zone und freuen uns endlich einmal über einen vollen Kader. Da trifft uns der Verlust der Verbandsliga natürlich doppelt hart. Es gibt eine Resthoffnung... Gräfrath würde die 3.Liga halten, sollte sich bis zum 01.07.2016 ein weiterer Drittligist zum Rückzug entschliessen. Damit wäre die Relegation nachträglich hinfällig und der Albtraum würde ein gutes Ende nehmen. Wir müssen allerdings die Realität anerkennen. Das bedeutet für uns, wir bereiten uns auf die Landesliga vor und wollen hier auf jeden Fall oben mitspielen. Nun werden wir erst einmal durchatmen und unsere neuen Spielerinnen kennenlernen. Danach werden wir nach einer wohlverdienten Pause unser neues Projekt in Angriff nehmen.
 
Es spielten und trafen:  Steffi Schorn - Rici Linevondeberg (2), Arleta De Winkel (7), Laura Caelers, Tinka Vonhall (2), Linda Rath, Rebecca Reinders, Miriam Willecke (3), Lisa Wahlster (1), Mirja Peters (1), Hannah Bonnekamp (1), Vanessa Fischer (3), Brina Schmitz (7), Claudia Müller