Pokalkrimi ohne Happy End

Erstmals seit Jahren trat 1. Herren der HG Kaarst-Büttgen am Sonntag  zum Ende der Herbstferien wieder im Kreispokal an. In der ersten Runde kam der Landesliga- Zweite HSV Rheydt in die Stadtparkhalle und drängte die Mannschaft von Jörg Brandenburg in die ungewohnte Rolle des Außenseiters. Außer den Langzeit-Ausfällen waren zum ersten Mal in der Saison alle Spieler dabei, wenn auch Torhüter Marius Klann mit einer starken Erkältung angeschlagen in die Begegnung ging.

Sogleich zeigte sich, dass sich die Partie deutlich von einem Bezirksligaspiel abhob. Der Spielaufbau lief kontrollierter ab, die mit Konzept vorgetragenen Angriffe wurden dagegen mit hoher Intensität und auch Präzision heruntergespielt. Technische Fehler stellten die absolute Ausnahme da. Früh zeigte sich indes die unterschiedliche Philosophie in der Defensivarbeit. Während die Gäste durch eine 6-0-Formation ihr Tor abriegelten und die HG-Shooter damit zu Abschlüssen aus der zweiten Reihe zwangen, zwangen die Hausherren den Gegner mit einer aggressiven 3-2-1-Abwehr in die Zweikämpfe. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase legten die Schiedsrichter die zweikampflastige Kaarster Spielweise zunehmend als Härte aus und verteilten noch bis zur Halbzeit vier Zeitstrafen gegen die HG bei einer einzigen für die Gäste. Davon konnten Letztere profitieren und sich insbesondere durch Tempogegenstoß und zweite Welle bis zur Halbzeit auf 12:15 aus Perspektive der Hallenuhr absetzen.

Der zweite Durchgang gehörte dann aber mehr und mehr der Auswahl von Jörg Brandenburg. In der Abwehr testete die HG neue Konzepte mit Simon Breuer auf der vorgezogenen Mittelposition und Philipp Mourikis als Abwehrspezialist. So wurde man der Rheydter Angriffskonzepte zusehens Herr und kamen die Gäste doch zum Abschluss konnte sich Christoph Witthaut im Tor mehrfach auszeichnen. Bald holten die Gastgeber den Pausenrückstand auf, obwohl weiterhin ungewöhnlich viele Hinausstellungen gegen die sie ausgesprochen wurden. Dann jedoch traf Abwehrexperte Andy Czodrowski seinen Gegenspieler bei einer Verteidigungsaktion im Gesicht, was von den Schiedsrichtern hart mit einer direkten Roten Karte bestraft wurde. Doch anstatt beim Stande von Unentschieden und doppelter Unterzahl (auch Matthieu Brera brummte eine 2-Minuten-Strafe ab) ins Hintertreffen zu geraten, brachte Max Neuhoff die HG erstmals in dieser Halbzeit in Führung, und weil sie dann nochmal nachlegte, sah die Stadtparkhalle die HG knapp zehn Minuten vor dem Ende schon auf der Siegerstraße. Doch der HSV ließ sich nicht abschütteln und verkürzte den Rückstand bis zur letzten Spielminute auf ein Tor, um dann auf offene Manndeckung umzustellen. Diese sollte Wirkung zeigen – die Gäste kamen kurz vor Schluss nochmal an den Ball und verwandelten einen Tempogegenstoß zum Ausgleich. Nun wurde die Begegnung hitziger, die Schiedsrichter hatten große Mühe, die Partie in geregelten Bahnen zu halten. Dennoch kam die HG noch zweimal in Abschlussposition, konnte aber kein regelkonformes Tor mehr erzielen – Verlängerung.

Mit der Verlängerung beruhigte sich das Spiel wieder etwas, was sich besonders auf die Torausbeute bezog. Während die Brandenburg-Sieben trotz gut herausgespielter Chancen gar kein Tor erzielen konnte, war den Rheydtern auch nur ein Treffer zur 29:28-Führung vergönnt. In der zweiten Halbzeit aber hatte die Auswärtsmannschaft  dann mehr Fortune, erzielte zwei glückliche Tore zur 3-Tore-Führung und entschied so die Begegnung für sich. Endstand: 31:34.

Trotz der knappen und unglücklichen Niederlage konnte das Team von Jörg Brandenburg die Stadtparkhalle mit einer starken und über weite Strecken der Begegnung sehr abgeklärten Leistung begeistern. Die Zuschauer honorierten das durch lautstarke Unterstützung von den Rängen und stärkten der Mannschaft in jeder Phase der Begegnung den Rücken. Wenn es solche Spiele in Zukunft öfter in Kaarst geben soll, kann es für die HG nur ein Ziel geben: den Aufstieg in die Landesliga.

 

Für die HG:

Christoph Witthaut(1.-70.), Marius Klann – Dennis Neumann(7), Max Neuhoff(7/3), Rene Müller(6), Simon Breuer(5), Matthieu Brera(4), Hendrik Ferner(3/2), Andy Czodrowski, Daniel Simon, Fabian Laufhütte, Philipp Mourikis, Tim Willing, Thilo Sagner, Niklas Peuse