Weibliche A-Jugend wird verdienter Vizemeister

Am frühen Samstagnachmittag traten wir bei der MSG Ratingen/Lintorf zum inoffiziellen Finale um die Kreismeisterschaft an. Die beiden Kontrahenten traten in Bestbesetzung an und das Spiel wurde von einem hervorragenden Schiedsrichtergespann geleitet.

Nun ging es sich darum, wer denn an diesem Tag die bessere Leistung abrufen kann. Der MSG reichte vor eigenem Publikum ein Unentschieden zum Titel. Die Nervosität dürfte auf beiden Seiten gleich groß gewesen sein, in einem Endspiel steht man nicht jeden Tag. Wir hatten unter der Woche alles getan, um den Mädels noch ein wenig Sicherheit zu geben.

Die Stimmung vor dem Spiel war sehr gut. Unsere Mannschaft motivierte sich lautstark und Lulu erzielte unter dem Jubel unserer treuen Fans per Strafwurf das 1-0. Niemand konnte ahnen, daß es die letzte Führung sein sollte. Wir schienen nicht wach genug und kassierten binnen vier schnelle Gegentore zum 1-4. Wir wussten, daß Ratingen/Lintorf hoch in Erkelenz gewonnen hatte und wollten auf keinen Fall früh deutlich in Rückstand geraten. Leah per Schlagwurf und gleich zweimal Britta von Linksaussen nach schöner Vorarbeit von Lisa sorgten nach 9 Minuten für das 4-4.

In den folgenden 7 Minuten konnten wir noch dranbleiben, Lisa`s einziges Tor zum 6-7 liess durchaus noch Hoffnung aufkeimen. Danach sorgten die Gastgeberinnen schnell für ein beruhigendes 5-Tore-Polster zum 12-7 Pausenstand. Unsere Abwehr hatte im Verband ordentlich gearbeitet. Allerdings leisteten wir uns einige persönliche Schnitzer, als Einläufer zugelassen worden, ein Pass quer durch die ganze Abwehr an Rechtsaussen möglich war oder wir ein mangelhaftes Rückzugsverhalten zeigten.

Unser grösstes Manko war ein bekanntes Phänomen. Nach einigen schwachen Abschlüssen nahmen gleich mehrere Spielerinnen den Kopf runter und fanden in der Folge kaum noch ins Spiel. In der Halbzeit versuchten wir die Mannschaft noch einmal aufzurichten. Ein 5-Tore Rückstand ist machbar und wir hatten die gefährlichsten Waffen der MSG ( Tempogegenstoß und Kreisläuferin ) bislang gut im Griff gehabt.

Mit frischem Mut gingen wir in die 2. Halbzeit. Spätestens jedoch nach den schnellen Gegentreffern zum 7-14 war es dann aber auch vorbei mit den guten Vorsätzen. Nach 32 Minuten war das Spiel vorentschieden. Insbesondere unser Rückraum fand an diesem Tag nicht statt. Ganze 4 Tore aus der zweiten Reihe ( jeweils 1 x Britta, Leah, Lisa, Lulu ) belegen diese These drastisch. Wenn man 7 Tore aufholen muss und vorne nichts zu Stande bringt, wiegt jeder Fehler doppelt schwer.

Immerhin darf man der Mannschaft attestieren, bis zum Ende um jedes Tor gekämpft zu haben. Dabei legten insbesondere Lara und Laura eine imponierende Laufbereitschaft und eine sehr positive Körpersprache an den Tag. Sophie`s Treffer in der 55. Minute zum 18-23 sorgte für ein zwischenzeitliches Remis in der 2. Halbzeit. Am Ende jedoch siegte die MSG Ratingen/Lintorf auch in dieser Höhe verdient mit 26-18.

Tore: Lulu 5; Britta 4; Laura 3; Annes 2; Leah, Lisa und Sophie jeweils 1.

Für uns war dieser Saisonabschluß natürlich sehr enttäuschend. Insbesondere die Erkenntnis, daß Ratingen/Lintorf einfach mehr Mut und Entschlossenheit in die Waagschale geworfen hatte, dürfte uns allen die Erinnerung an dieses letzte gemeinsame Spiel so ziemlich verhagelt haben.

Die MSG Ratingen/Lintorf hatte während der Saison ihren Durchhänger und war am Ende auf den Punkt hellwach. Wer zum Ende die beiden ärgsten Verfolger hoch schlägt ist verdienter Meister. Wir hatten um Januar mit den klaren Siegen gegen Erkelenz und Ratingen unsere beste Phase und konnten in der Folge nie mehr an diese Leistungen anknüpfen.

Eine insgesamt durchwachsene Trainingsbeteiligung verlangsamte den Prozess der Weiterentwicklung. Vor allem aber hat es den Mädels nicht gut getan, sich nur alle paar Wochen nach der Decke strecken zu müssen. So kamen wir nie in einen Lauf. Falls in der Tat keine HVN-Quali gespielt wird, sollte man andere Möglichkeiten überdenken. Vielleicht haben andere Mannschaften eine ähnliche Situation und man könnte neben der Meisterschaft noch Testspiele bestreiten. So könnte man an manchen Trainingstagen gegen gleichstarke Gegner spielen, statt mit 8 Leuten zu trainieren.

Das enttäuschende Finale sollte uns jedoch nicht die ganze Saison vermiesen. Unsere Mannschaft hat sich auf jeden Fall weiterentwickelt. Brina und mir hat die Zusammenarbeit großen Spaß bereitet und wir werden die gemeinsame Zeit in guter Erinnerung behalten. Vor allem möchte ich betonen, daß ich lange nicht mehr eine Truppe mit durchweg solch tollen Charakteren trainieren durfte. Ich wünsche den verbleibenden Mädels ein erfolgreiches Jahr in der neuen A-Jugend. Den "Aufsteigerinnen" in die Seniorenabteilung wünsche ich einen guten Start, möglichst sogar in der 1.Damenmannschaft. Last but not least wünsche ich den Mädels die ins Ausland gehen eine spannende und unvergessliche Erfahrung.

Es war mir eine Ehre, man sieht sich. Die Handballwelt ist ein Dorf.